Mosambik – Zahnbehandlung mit Gottes Hilfe

 

 

 

Juli 2019: unser Team bestehend aus Dr. Wolfgang Henke (Zahnarzt) und seiner Frau Margarete und Dr. Tina Killian (Zahnärztin)  und Hanne Kälbli  (zahnmedizinische Fachangestellte) bricht zu einer 30 stündigen Reise nach Malehice in Mosambik auf. Der Grund unserer Reise ist ein zahnärztlicher Hilfseinsatz in einem Schwesternorden in der kleinen Ortschaft Malehice in Mosambik.

 

Malehice ist ein Ort etwa 250 km nordöstlich von Mosambiks Hauptstadt Maputo. Wir durften in Malehice im Kloster der Missionsschwestern des Heiligen Blutes (CPS: congregatio pretiosi sanguinis) wohnen und deren Alltag miterleben. Gegenüber des Klosters lag ein kleines ambulantes Krankenhaus, in dem wir uns in einem winzigen Raum ein zahnärztliches Behandlungszimmer einrichten konnten. Ein ausrangierter aber nicht funktionsfähiger zahnärztlicher Behandlungsstuhl war vor Ort. Ein alter Schreibtischstuhl diente als zweiter Behandlungsstuhl, damit wir parallel zu zweit die unzähligen Patienten behandeln konnten. Auch einige zahnärztliche Instrumente in abenteuerlichen Zuständen konnten wir finden. Alles andere, was wir für die Zahnbehandlungen brauchten, hatten wir mitgebracht. Da dies nicht unser erster zahnmedizinischer Einsatz war, konnten wir im Vorfeld schon auf einige altbewährte Spender zurückgreifen, die uns Materialien zur Verfügung stellten. So hat uns beispielsweise Apotheker Helfen e.V. mit einer großzügigen Menge an Antibiotikum und Lokalanästhetikum versorgt, die Dentalfirma Henry Schein überließ uns zahnärztliche Materialien und die Firma JFM spendete uns eine große Kiste Handschuhe und Mundschutz.  Alles andere – wie auch die gesamten Reisekosten – finanzierten wir selbst.

 

Nachdem wir uns das Behandlungszimmerchen so eingerichtet hatten, dass wir gut arbeiten konnten, haben wir in knapp zwei Wochen etwa 320 Patienten zahnmedizinisch versorgt. Die Zustände der Gebisse waren erschreckend – jedoch bei den gegebenen Lebensbedingungen nicht verwunderlich: viele Menschen dort leben auf großen Grundstücken in kleinen Häuschen aus Ziegeln oder Bambus und versuchen, sich mit dem Anbau von Gemüse, Cashew-Bäumen und ein paar Hühnern und Schweinen zu ernähren. Fließendes Wasser gibt es nur selten. Nachts ist es in den Wintermonaten eiskalt und oft fehlen wärmende Decken. So steht die Pflege der Zähne an untergeordneter Stelle. Und trotz dieser teilweise sehr  armen Verhältnisse: so eine Herzlichkeit, Wärme, Fröhlichkeit und Offenheit der Menschen dort haben wir vorab nicht zu träumen gewagt und in dieser Intensität auch noch nie erlebt.

 

Schwester Elisabeth Heßdörfer, die Oberin des Klosters CPS, und ihre Mitschwestern haben uns mit offenen Armen empfangen und uns einen unvergesslichen Aufenthalt im Kloster bereitet. Wir durften am klösterlichen Alltag teilnehmen, die Gottesdienste mit herrlichen Gesängen erleben und jeden Tag aufs Neue mit all diesen wunderbaren Menschen genießen. Die Schwestern haben für uns gesungen und getanzt und uns mit selbst gebackenen Kuchen und leckerem Gemüse aus dem Klostergarten versorgt. Wir haben auch ein bisschen deutsche Kultur eingebracht, indem wir in der Klosterküche für die Schwestern Apfelkuchen, Kaiserschmarren und Vanillekipferl gebacken haben. Die Schwestern waren glücklich: muito gostoso!

 

Unsere liebe Hanne hatte ihr Clown-Kostüm im Gepäck und hat damit unzählige Waisen-, Schul- und Kindergartenkinder mit dem Ententanz erfreut und den Kindern mit einem großen Plastikgebiss gezeigt, wie man Zähne putzt. Die Firma JFM hatte uns einige hundert Zahnbürsten gespendet, die wir bei dieser Gelegenheit an die Kinder verteilen konnten.

 

Der Abschied vom Kloster ist uns unendlich schwer gefallen und am liebsten würden wir gleich wieder in den Flieger dort hin steigen... Und das ist auch nötig: in Malehice und in der weiteren Umgebung gibt es keinen Zahnarzt. Vor Ort in dem kleinen Krankenhaus arbeitet Narciso, eine Art Dentist, der hervorragend zerstörte Zähne ziehen kann. Auch kleine Füllungen könnte er legen. Aber dazu fehlt es an Instrumenten und Material. Eine zufriedenstellende zahnmedizinische Versorgung gibt es also dort nicht.

 

 

 

Insgesamt ist Malehice ein Ort, an dem es an vielem fehlt. Schwester Elisabeth bezieht aus Deutschland und anderen Ländern Spenden, die sie an den schlimmsten Stellen als Hilfe einsetzt. Sie gibt den Menschen jedoch nicht einfach gespendetes Geld in die Hand. Vielmehr hat sie ein hervorragendes Motto: alle Menschen, die zu ihr ins Kloster kommen und um Essen oder andere Hilfe bitten, müssen dafür eine Gegenleistung bringen. Sie müssen entweder ein bisschen im Kloster helfen oder Ware in Form von Cashew-Nüssen, Gras für die Tiere oder Brennholz bringen. Ein Tauschgeschäft also – wenn auch sehr einseitig, da die entgegengebrachten Arbeiten und Waren der Menschen bei Weitem nicht dem Wert entsprechen, den die Menschen vom Kloster als Hilfe erhalten.

 

Da wir die Situation nun direkt vor Ort kennengelernt haben und wissen, wofür die Spenden benutzt werden, haben wir beschlossen, immer wieder etwas zu spenden. Vielleicht ist der eine oder andere Leser dieses Berichts auch dazu bereit (Mail an info@zahnaerzte-ush.de).  Malehice freut sich unendlich!

 

 

 

Mit besten Grüßen,

 

Dr. Tina Killian